Podgorica
Nach gut 10 Stunden spektakulaerer Zugfahrt sind wir in Podgorica angekommen. Die Fahrt, die eigentlihc 8 Stunden haette dauern sollen, ging in gemuetlichem Tempo mit vielen Pausen ueber Berge und durch wunderschoene Landschaften. Anfangs wars vor allem heiss, mit der Zeit gewoehnten wir uns an die Temperatur. Trotzdem verbrachten wir die Zeit vor allem mit existieren, viel mehr war nicht zu machen. Lesen war sowieso unmoeglich, da die Strecke voller Tunnels war, und das Licht ausser im Abteil neben unserem im ganzen nur drei Mal fuer ein paar Minuten funktionierte (die Siicherung viel immer wieder raus, und der Passagier der wusste was da zu machen war wollte nciht dauernd aufstehen).
Inzwischen sind wir in einem sehr angenehmen Hotel in Podgorica und freuen uns auf die kalte Dusche.
Nachtrag.... Miriam hat das letzte Wort fuer heute
All diese Erlebnisse haben uns immer wieder diskutieren lassen, was fuer einen Eindruck uns Belgrad hinterlaesst. Bisher einen ausgesprochen positiven! Die Strassen und der Park sind sehr sauber, die Leute ausgesprochen freundlich und hoeflich und es herrscht eine entspannte und gleichzeitig sehr lebensfreudige Stimmung. Manchmal gibt es kleine Dinge die kleine Brueche (oder Brueche fuer uns) vermuten lassen - z.B. Kommentare ueber Roma (oder Roma-Kinder die virtuos Strassenmusik machen), Tuerken (die Osmanen haben offensichtlich tiefe Spuren hinterlassen).
Trotzdem, auch in offensichtlich weniger reichen Quartieren ist es angenehm und fuehlt es sich sicher an. Und: Touristisch ist hier fast nichts - allenfalls die Skaderlija.
Gerade wegen der Lebensfreude und einem Gefuehl von Savoir Vivre ist Belgrad einfach eine schoene, entspannte Stadt fuer Ferien...
Und morgen verlassen wir Serbien und auf gehts nach Montengro!
Allerhand Maerkte
Nach dem Fruestueck mit Menu 5 und 10 und Getraenk 3 und 7 gings zur hram svetog Save (Kirche) - ein Riesenbau, praktisch in der ganzen Stadt sichtbar, und doch immer weit weg. Die Kirche ist seit ueber 100 Jahren eine Baustelle, troztdem aber wird sie benutzt, mitsamt Kiosk mit Devotionalien.
Nach den sakralen zu den weltlichen Beduerfnissen: Auf einem Markt auf dem Kalenic Pijaca kaufte ich einen Gurt (Kommentar des Verkaufers, weil er viele Loecher machen musste: Ou!), Miriam ein schoenes weisses nicht-Kleid-sondern-Bluse (beides sofort im Gebrauch). Der Versuch ein halbes Kilo Kirschen und ein paar Pfirsiche zu kaufen scheiterte, wir gingen mit 1.5 Kilo Kirschen und einem Kilo Pfirsichen davon; zwar konnten wir mit Hilfe des Reisefuehrers "halbes Kilo" sagen, was aber sofort als eineinhalb Kilo interpretiert wurde. Im CD-Laden etwas weiter erstanden wir die ersten CDs, inklusive einer kurzen Einfuehrung ueber die Nicht-Liebe der Montenegriner zu den Serben und der Serben gegenueber der Tuerken. Immerhin schien unsere CD-Wahl nicht so schlecht zu sein, eine Frau kaufte jedenfalls die gleiche CD wie wir. Und dafuer kauften wir dann die gleiche wie sie, und alle waren wir gluecklich, auch der Verklaeufer.
Nach einem Mittagessen im Park Kalemegdan schauten wir die Festung Belgrads mitsamt einer Menge Panzer und Kanonen an und bewunderten (fuer etwa 40 Rappen) eine wunderbare Aussicht ueber die Stadt sowie die Fluesse Donau und Sava.
Nach einem Eiskaffee im noblen Hotel Moskva (sehr empfehlenswert!) gings zum Abendessen (Spaghetti mit Mozarella und Cherry-Tomaten im Via del Gusto, auch sehr empfehlenswert). Als Abschluss des Tages gingen wir ans Openair-Konzert einer Franzoesischen Band im Kalemegdan Park.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des einkaufens (am Sonntag!). Zuerst gings auf den CD-Schwarzmarkt beim Student Cultural Center, wo wir 11 CDs mit serbischer Musik kauften. Sollten wir mehr brauchen ist vorgesorgt, ein freundlicher und sehr kompetenter Verkaeufer hat uns die Karte seines Ladens mitgegeben ("good for me but not for your wallet"). Danach gingen wir, natuerlich ohne zu suchen und natuerlich nach einem Eiskaffee im Moska, auf direkten Weg zum Bahnhof, um zwei Zugtickets fuer die Reise nach Podgorica morgen zu kaufen. Fuer Ablenkung auf dem Weg sorgten die verschiedensten mehr oder minder legalen Einkaufsstaende (Sex and the City DVD, selbstgebrannt, fuer Miriam, ein paar Sandalen fuer Jonas) und die Unterfuehrung mit Markt und Live-Musik.
Am Nachmittag einmal mehr Pick-Nick im Park und danach Kaffeetrinken an der Skadarlija (Bohemian Quarter). Und dann ins Internet-Kaffee zum Blogschreiben.
PS: Die Kommentarfunktion funktioniert wieder, fuer all jene die noch nie was geschrieben haben.
Belgrad Ahoi
Wir haben es geschafft! Nach ca. 20 Stunden Zugfahrt sind wir in Belgrad angekommen. Die Reise hat uns doch immer wieder ueberrascht. Z.B. herrschte die groesste Bahnhofskonfusion in... Basel: Der Zug nach Zuerich sollte auf Gleis 4 fahren, wo aber ein EM-Extrazug zum Stadion fuhr. Wir wurden auf Gleis 14 geschickt. Von dort auf Gleis 4 zurueck. Dann auf Gleis 15. Dann nahmen wir einen anderen Zug nach Zuerich...
Staunen auch in Zuerich: Unser Zug beinhaltete Wagen aus Oesterreich, Kroatien sowie einen SBB-Wagen aelteren Modells - bei uns vielleicht noch so zwischen Basel und Olten eingesetzt.
Unser kroatischer Schlafwagen (Zweierabteil!) erwies sich als de luxe: Vor allem die Lichtsteuerung faszinierte uns sehr: Neben allgemeinem Licht in den Stufen 50% und 100% gab es noch ein Oberlicht sowie ein "washboard-light". Jonas wusste ab der vielen kroatischen Kommentare schon gar nicht mehr, wie jetzt das Licht zu loeschen sei, bis ich plump auf den Off-Schalter deutete...
Nicht zu vernachlaessigen war natuerlich der Liegekomfort - und der war sehr gut, so dass wir erst relativ spaet irgendwo unter der strahlenden slovenischen Sonne erwachten. Unser erstes Anzeichen von Sommer!
Kurz vor Zagreb mussten wir dann von unserem klimatisierten Luxuswagen wechseln in... den SBB-Wagen aelteren Modells, also ohne Klimaanlage. Ausserdem wechselten wir auf dieser kurzen Strecke in eine lonely planet-welt, alle Mitreisenden schienen aus den verschiedensten Laendern ausser Kroatien zu kommen. In Zagreb aenderte sich das - der SBB-Wagon fuellte sich mit ganz neuen, "einheimischen" Reisenden.
Ausserdem wurden die Schlafwagen abgehaengt und - wie mehrmals auf der Reise - neue Wagons angehaengt.
Weiter ging es durch eine Landschaft von fast schon unermesslicher Weite - viel Landwirtschaft, dazwischen wilde Buschhecken.
Obwohl es immer heisser im Zug wurde (manchmal lohnt es sich, Flamenco-Accessoires dabei zu haben!) und viele Leute lange Strecken fuhren, blieb es angenehm ruhig im Zug. Ein "Waegeli" gibt es uebrigens nicht; ein Mann verkaufte einmal selbstgemacht aussehende Sandwiches, spaeter Wasser und tuerkischen Kaffee. Wie wir in Belgrad feststellen konnten, war unterwegs auch mal ein Speisewagen angehaengt worden, wir wissen nur nicht wann und wo und waren deshalb froh um unsere rund 5 Liter Getraenke, die wir mitgebracht und getrunken hatten.
Dann endlich die letzte Grenzkontrolle und es ging weiter durch unendliche Weite, dieses Mal in Serbien. Ca. 2 Stunden vor Belgrad sahen wir zum ersten Mal Muell - und dann gleich in Riesenmengen entlang der Geleise. Auch zwei Slumaehnliche Siedlungen sahen wir .
Belgrad selbst zeigte sich aus dem Zug als faszinierendes Nebeneinander von moderner Skyline und Bruchbuden. Das gruene Tram, das dadurch fuhr, sah den Basler Trams verblueffend aehnlich - ob die BVB wohl ihre alten Modelle in Neu-Belgrad entsorgt?
Ja, und als wir ausgestiegen waren zeigte sich, dass der alte SBB-Wagen als einziger den Weg von Zuerich nach Belgrad mitgemacht hatte. Das gab uns schon zu denken - offensichtlich sind es vor allem unsere Komfortansprueche, weswegen diese Wagen in der Schweiy fast nur noch auf kuerzeren Strecken eingesetzt werden.
Nach einer Taxifahrt zum Hotel und einer Dusche ging es dann in die Fussgaengerzone von Belgrad. Bekannte und unbekannte Geschaeftsnamen sind da vertreten - unter anderem gibt es einen DM????!!!! Nach etwas flanieren brauchten wir dringend eine Pizza, wobei wir dem sehr lebhaften Treiben um uns herum zusahen. Mein erster Eindruck ist: Alles muss noch neu entdeckt werden und allfaellige Serbienbilder in meinem Kopf stimmen wohl doch nicht ganz. Ich bin gespannt!
Morgen gehts los...
Am Abend vor der Reise ist ein Blog eingerichtet - für die Reise nach Montenegro. In den nächsten Tagen folgen hier mehr oder weniger regelmässig unsere Reiseberichte.
23.06.08 23:26:53, 