Kategorie: Welcome
Hotel Moskva
Nach einem faulen Abschlusstags in Ulcinj und einem Abendessen mit Irena und Alen an der Muendung der Bojana in die Adria sind wir heute nach 12stuendiger Zugfahrt gut in Belgrad angekommen. Die Verspaetung begann beim Abfahrtsbahnhof Bar, wo wir fast eine Stunde auf die Lokomotive warten mussten, die eben zuerst noch den Nachtzug von Belgrad herbringen musste...
Wir sind nun sehr froh, im bequemen Hotel Moskva zu sein - auch wenn wir nun in einer kleinen Suite gelandet sind, was den Preis nochmals leicht erhoeht. Trotzdem - Komfort tut gut, bevor wir uns nochmals fuer 19 Stunden in den Zug setzen.
Bis auf bald in der Schweiz...
Mini-Market und mehr
Heute ein weiterer gemuetlicher Tag - und da Jonas darueber berichtet, ergreife ich die Gelegenheit, mal ueber ein paar andere Dinge zu schreiben, die uns immer wieder begegnen.
Zum ersten das negative: Bettler. Es gibt sie hier nicht haeufig, aber immer wieder. Offensichtlich handelt es sich dabei v.a. um Fluechtlinge aus dem Kosovo. Und wie auch sonstwo wissen wir nie genau, wie mit diesen Begegnungen umzugehen.
Das andere negative: Muecken! Jeden Abend ab 18 Uhr muessen wir sofort zum einheimischen Antimuecken-Mittel greifen, um halbwegs davonzukommen, trotzdem tragen wir taeglich mindestens 5 neue Stiche davon. Wenn man ausrechnet, dass es am ersten Abend ca. 30 Stiche pro Person sind, kann man sich ausmalen, wie wir inzwischen aussehen... Da sich bei Jonas im Gegensatz zu mir die Stiche v.a. um die Fuesse zentrieren und ich noch einen hitzebedingten Ausschlag habe (nicht schlimm, juckt nicht, sieht einfach nicht so schoen aus...), bin aber nur ich es, die wie eine Masernkranke herumlaeuft. Dank fleissigem Euceta-Einsatz halten wir das Jucken im Schach...
Was uns hingegen sehr gefaellt: Die Minimaerkte hier. An jeder Ecke gibt es einen oder gleich mehrere. Von der Groesse her sind sie tatsaechlich "mini" - aber man findet alles in ihnen! Inklusive sehr freundlicher, hilfsbereiter Bedienung. Z.B. wollten wir einmal Toilettenpapier kaufen und es gab nur grosse Packungen. Schwupps wurden wir gefragt, wieviel wir denn braeuchten und die benoetigten 2 Rollen in ein Plasticksaeckli gepackt. Die Plasticksaeckli sind denn auch eines der wichtigsten Utensilien der Maerkte: an der Kasse werden unverpackte Artikel wie Brot in ein Saeckli gepackt, das dann mit dem Rest der Einkaeufe in ein weiteres Plasticksaeckli gesteckt wird. Da es sich um die duennen Saeckli handelt, muessen bei jedem groesseren oder schwereren Einkauf gleich mehrere Saeckli herhalten. Wir haben also schon eine ganze Menge davon. Aber immerhin: Sie lassen sich dann als Abfallsammlungsbehaelter recyclen...
Abfall ist natuerlich auch ein Thema hier. Es gibt grosse Container, in die der Abfall (meist eben in den bewaehrten Plasticksaecklis) entsorgt werden kann. Trotzdem gibt es immer wieder kleinere bis groessere Abfallberge. Gemaess Irena stammen die aus zwei Quellen: Zum einen seien meist die Albaner fuer den Abfall verantwortlich, die es aus ihrer Heimat her eben nicht anders kennen. Tatsaechlich sehen wir dauernd Leute am Putzen und Aufraeumen, auch in Belgrad ist uns das sehr aufgefallen. Und auf unserer Reise durch Kroatien haben wir ebenfalls immer wieder ueber die blitzsauberen Perrons (neben den herrlich ueberwachsenen Geleisen) gestaunt.
Der andere Grund ist die Bautaetigkeit. Bis wir von Irena "aufgeklaert" wurden, haben wir uns immer wieder gewundert, dass wir Leute sehen, die in halbfertigen Haeusern wohnen. Das untere Stockwerk wird bewohnt, das obere ist noch eine Baustelle. Offensichtlich verhaelt es sich so, dass es ein Gesetzt gibt, dass man wegen der Touristensaison von Juni bis September nicht bauen darf. Das heisst, dass man halt immer ein halbes Jahr lang weiterbaut, dann warten muss, vielleicht kleinere Arbeiten ausfuehrt, die keinen Laerm macht. Und irgendwann ist das Haus dann fertig... Bis diese Bausaison abgeschlossen ist, duerfen die Arbeiter relativ freizuegig mit Abfall umgehen, der danach in Containern entsorgt werden soll - nur klappt das offensichtlich nicht so ganz.
In Ulcinj (und gemaess Reisefuehrer generell in Montenegro) herrscht derzeit ein ziemlicher Bauboom. V.a. Hotels und Ferienwohnung sind am entstehen. (Wir stossen dauernd auf Schilder mit der Aufschrift "sobe, dhoma, rooms, Zimmer" oder "apartman"). Gemaess Fuehrer verdraengen die privaten Unternehmer damit zunehmend die ehemals staatlichen Hotels, die entweder stark investieren muessen oder zu gehen. Allerdings kommt der Staat nicht fuer die Infrastruktur auf - aber darueber schreibt bereits Jonas. Gemaess Irena ist die Gegend um die velika plaža bereits sehr viel zugebauter wie damals vor 20 Jahren, als sie (als erste) mit ihrem Hausbau begonnen hat. Sie hofft denn auch, dass die Regierung dem wuchernden Bauen einen Riegel vorschiebt.
Was uns hier sehr gefaellt sind Dinge, wie dass unsere Nachbarn uns regelmaessig gruessen und versuchen, trotz Sprachbarrieren ein Gespraech mit uns anzufangen. Auch auf dem Marktbesuch heute ist mir aufgefallen, dass Irena bei jedem Stand ein Gespraech gefuehrt hat. Und was mich sehr freut: die Minimarkt Tradition koennen wir in Basel weiterfuehren - in unserem neuen Quartier gibt es ein Quartierlaedel mit serbisch-montenegrinischen Besitzern: "Zum Nikolic" an der Dornacherstrasse, wo wir wahrscheinlich Stammkunden werden...
Wir haben heute das Kamerakabel nicht dabei - der Beitrag wird sicher noch mit Bildern ergaenzt werden...
Nicht ganz, aber ein bischen ernst gemeint
Wir werden unsere letzte Nacht in Serbien im Hotel Moskva in Belgrad verbringen, dem Hotel in dem schon Peter Handke uebernachtet hat und das wegen seines Jugendstilbaus unter Denkmalschutz steht. Nun ist der Spass nicht ganz billig, darum gibts hier einen Spendenaufruf:
Mehr zum Hotel Moskva: www.hotelmoskva.co.yu
Wir sind bei den Jugos
Gestern haben wir festgestellt, dass wir ja eigentlich bei den Jugos sind. Und haben uns dann gefragt, wo die ganzen Raser und Kriminellen nun sind (die SVP wuerde wahrscheinlich sagen "in der Schweiz") - hier sind wir ihnen zumindest noch nicht begegnet. Im Gegenteil, wir erleben die Leute hier als sehr freundlich und hilfsbereit - und das ist eigentlich schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass unser Serbisch-Wortschatz "Guten Morgen", "Guten Tag", "Guten Abend" und "danke" umfasst. (Aufgrund dieses Vocabulars sind tatsaechlich Nachbarn von Irena der Ueberzeugung gewesen, wir wuerden serbisch bzw. montenegrinisch sprechen...).
Umgekehrt sprechen relativ viele Leute ein bisschen Deutsch. Anfangs war es fast ein bisschen irritierend, dass immer, wenn wir auf Englisch etwas gefragt haben, eine deutsche Antwort kam. Hoert man unserem Englisch etwa einen deutschen Akzent an? Die Loesung ist eher, dass viele Leute hier schon mal als Gastarbeiter in Deutschland oder der Schweiz gewesen sind und deshalb wohl tatsaechlich besser Deutsch als Englisch sprechen. In Ulcinj gibt es auch viele Albaner, haeufig Fluechtlinge aus dem Kosovo. Die ganzen politischen, historischen, kulturellen Hintergruende werfen uns schon immer wieder Fragen auf und gerne wuessten wir mehr darueber...
Allerdings sind bei soviel Sonne und Meer andere Dinge im Moment gewichtiger. V.a. die Abkuehlung. Derzeit scheint es taeglich ein bisschen heisser zu werden und langsam verstehen wir, weshalb Badetouristen nichts anderes tun als baden und nichtstun: Alles andere ist furchtbar anstrengend. So verbrachten wir auch gestern einen ausgesprochen faulen Tag: Ausschlafen. Fruestucken. An den Strand gehen, baden. Im sympathischen Restaurant Aldi einen sopška salat essen (eine Art griechischer Salat). Wir waren schon auf dem Weg in die Vila Aldin fuer eine Siesta, als wir an einer Garage vorbeikamen. Man muss sich das so vorstellen: Oben ist es schoenes Wohnhaus, unten hat es drei Garageraeume, wo eben Garagistenarbeiten ausgefuert werden. In einem der Raeume stand ein Tisch, daran einige Maenner und darauf eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky. Wir gruessten beim Vorbeigehen und wurden darauf von einem aelteren Herrn sofort mit Handkuessen hereingebeten und an den Tisch gesetzt. Wir seien "meine Glueck", meinte der Mann und wollte, dass Jonas und ich uns kuessten. "Liebe - meine Glueck". Und dann schon bald: "Wodka oder Whisky?" Bevor wir den Whisky allerdings bekamen, gab es fuer jeden von uns einen Eiswuerfel. Und dann eine Olive. Und uns wurde klar, dass die Gesellschaft bereits sehr feuchtfroehlich war. Die in den USA lebende Schwiegertochter brachte dann den Whisky und es entspann sich ein merkwuerdinges Gespraech; merkwuerdig, weil wir je nach Person auf englisch, deutsch oder italienisch-gemischt-mit-serbisch-und-spanisch angesprochen wurden. Hauptsaechlich ging es darum, dass ich mit Jonas einen tollen Mann gefunden habe und Jonas mit mir eine tolle Frau. Und dass wir uns kuessen sollten. Was jedesmal viel Gelaechter ausloeste. Auch wir waren heimlich am Kichern, als wir schliesslich weitergingen - und zuvor noch vom einzigen nuechternen Mann herzlich in Montenegro willkommen geheissen und fuer zukuenftige Drinks eingeladen wurden. Wirklich eine erinnerungswuerdige Begegnung!
Danach war die Siesta nun doppelt noetig und so war es schon gegen Abend, als wir einen kleinen Strandspaziergang machten und uns nochmals ins Meer wagten. Und hier entdeckten wir... die Zeit. Ploetzlich war es wunderschoen, keine genaueren Plaene zu haben, keine Termine, sondern einfach mit einem Buch dazuliegen oder aber den Leuten zuzuschauen oder aber gar nichts zu denken, sondern nur noch zu sein... Sowas nennt man, glaube ich, Ferien...
03.07.08 00:02:59, 