Mini-Market und mehr
Heute ein weiterer gemuetlicher Tag - und da Jonas darueber berichtet, ergreife ich die Gelegenheit, mal ueber ein paar andere Dinge zu schreiben, die uns immer wieder begegnen.
Zum ersten das negative: Bettler. Es gibt sie hier nicht haeufig, aber immer wieder. Offensichtlich handelt es sich dabei v.a. um Fluechtlinge aus dem Kosovo. Und wie auch sonstwo wissen wir nie genau, wie mit diesen Begegnungen umzugehen.
Das andere negative: Muecken! Jeden Abend ab 18 Uhr muessen wir sofort zum einheimischen Antimuecken-Mittel greifen, um halbwegs davonzukommen, trotzdem tragen wir taeglich mindestens 5 neue Stiche davon. Wenn man ausrechnet, dass es am ersten Abend ca. 30 Stiche pro Person sind, kann man sich ausmalen, wie wir inzwischen aussehen... Da sich bei Jonas im Gegensatz zu mir die Stiche v.a. um die Fuesse zentrieren und ich noch einen hitzebedingten Ausschlag habe (nicht schlimm, juckt nicht, sieht einfach nicht so schoen aus...), bin aber nur ich es, die wie eine Masernkranke herumlaeuft. Dank fleissigem Euceta-Einsatz halten wir das Jucken im Schach...
Was uns hingegen sehr gefaellt: Die Minimaerkte hier. An jeder Ecke gibt es einen oder gleich mehrere. Von der Groesse her sind sie tatsaechlich "mini" - aber man findet alles in ihnen! Inklusive sehr freundlicher, hilfsbereiter Bedienung. Z.B. wollten wir einmal Toilettenpapier kaufen und es gab nur grosse Packungen. Schwupps wurden wir gefragt, wieviel wir denn braeuchten und die benoetigten 2 Rollen in ein Plasticksaeckli gepackt. Die Plasticksaeckli sind denn auch eines der wichtigsten Utensilien der Maerkte: an der Kasse werden unverpackte Artikel wie Brot in ein Saeckli gepackt, das dann mit dem Rest der Einkaeufe in ein weiteres Plasticksaeckli gesteckt wird. Da es sich um die duennen Saeckli handelt, muessen bei jedem groesseren oder schwereren Einkauf gleich mehrere Saeckli herhalten. Wir haben also schon eine ganze Menge davon. Aber immerhin: Sie lassen sich dann als Abfallsammlungsbehaelter recyclen...
Abfall ist natuerlich auch ein Thema hier. Es gibt grosse Container, in die der Abfall (meist eben in den bewaehrten Plasticksaecklis) entsorgt werden kann. Trotzdem gibt es immer wieder kleinere bis groessere Abfallberge. Gemaess Irena stammen die aus zwei Quellen: Zum einen seien meist die Albaner fuer den Abfall verantwortlich, die es aus ihrer Heimat her eben nicht anders kennen. Tatsaechlich sehen wir dauernd Leute am Putzen und Aufraeumen, auch in Belgrad ist uns das sehr aufgefallen. Und auf unserer Reise durch Kroatien haben wir ebenfalls immer wieder ueber die blitzsauberen Perrons (neben den herrlich ueberwachsenen Geleisen) gestaunt.
Der andere Grund ist die Bautaetigkeit. Bis wir von Irena "aufgeklaert" wurden, haben wir uns immer wieder gewundert, dass wir Leute sehen, die in halbfertigen Haeusern wohnen. Das untere Stockwerk wird bewohnt, das obere ist noch eine Baustelle. Offensichtlich verhaelt es sich so, dass es ein Gesetzt gibt, dass man wegen der Touristensaison von Juni bis September nicht bauen darf. Das heisst, dass man halt immer ein halbes Jahr lang weiterbaut, dann warten muss, vielleicht kleinere Arbeiten ausfuehrt, die keinen Laerm macht. Und irgendwann ist das Haus dann fertig... Bis diese Bausaison abgeschlossen ist, duerfen die Arbeiter relativ freizuegig mit Abfall umgehen, der danach in Containern entsorgt werden soll - nur klappt das offensichtlich nicht so ganz.
In Ulcinj (und gemaess Reisefuehrer generell in Montenegro) herrscht derzeit ein ziemlicher Bauboom. V.a. Hotels und Ferienwohnung sind am entstehen. (Wir stossen dauernd auf Schilder mit der Aufschrift "sobe, dhoma, rooms, Zimmer" oder "apartman"). Gemaess Fuehrer verdraengen die privaten Unternehmer damit zunehmend die ehemals staatlichen Hotels, die entweder stark investieren muessen oder zu gehen. Allerdings kommt der Staat nicht fuer die Infrastruktur auf - aber darueber schreibt bereits Jonas. Gemaess Irena ist die Gegend um die velika plaža bereits sehr viel zugebauter wie damals vor 20 Jahren, als sie (als erste) mit ihrem Hausbau begonnen hat. Sie hofft denn auch, dass die Regierung dem wuchernden Bauen einen Riegel vorschiebt.
Was uns hier sehr gefaellt sind Dinge, wie dass unsere Nachbarn uns regelmaessig gruessen und versuchen, trotz Sprachbarrieren ein Gespraech mit uns anzufangen. Auch auf dem Marktbesuch heute ist mir aufgefallen, dass Irena bei jedem Stand ein Gespraech gefuehrt hat. Und was mich sehr freut: die Minimarkt Tradition koennen wir in Basel weiterfuehren - in unserem neuen Quartier gibt es ein Quartierlaedel mit serbisch-montenegrinischen Besitzern: "Zum Nikolic" an der Dornacherstrasse, wo wir wahrscheinlich Stammkunden werden...
Wir haben heute das Kamerakabel nicht dabei - der Beitrag wird sicher noch mit Bildern ergaenzt werden...
30.06.08 13:28:31, 