Archiv für: Juni 2008, 27
Der Markt (und die Hitze) von Ulcinj
Irena brachte uns am Morgen zum Markt von Ulcinj. Ein ueberschaubares, aber sehr lebendiges Durcheinander von Gemuesen, Fruechten, Haushaltwaren, Autoteilen und allem anderen. Jede Menge schoener Fruechte gab es dort, wir beschraenkten uns vorerst auf Aprikosen, und schafften es, mit nur einem halben Kilo davonzukommen (fuer 75 Cent). Etwas weniger schoen war, dass ueberall Huehner verkauft wurde, ein Huhn scheint hier wirklich ein Gebrauchsgegenstand zu sein, wird nicht anders als eine Frucht in einer Harasse gelagert.
Nach dem Markt ging es zur Kirche desa heiligen Nikolas und zu ganz vielen Bikini-Shops, ungefaehr beim 340zigsten (natuerlich grenzenlos uebertrieben) fand Miriam schliesslich ein neues Bikini fuer sich.
Sobald wir aus dem Internet-Cafe raus sind machen wir uns auf den Weg zum Eiscaffee und dann hoffentlich nochmals zu den Pfannkuchen, bevor wir mit dem Taxi zurueckfahren und gegen Abend wohl nochmals ins Meer gehen.
Wir sind bei den Jugos
Gestern haben wir festgestellt, dass wir ja eigentlich bei den Jugos sind. Und haben uns dann gefragt, wo die ganzen Raser und Kriminellen nun sind (die SVP wuerde wahrscheinlich sagen "in der Schweiz") - hier sind wir ihnen zumindest noch nicht begegnet. Im Gegenteil, wir erleben die Leute hier als sehr freundlich und hilfsbereit - und das ist eigentlich schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass unser Serbisch-Wortschatz "Guten Morgen", "Guten Tag", "Guten Abend" und "danke" umfasst. (Aufgrund dieses Vocabulars sind tatsaechlich Nachbarn von Irena der Ueberzeugung gewesen, wir wuerden serbisch bzw. montenegrinisch sprechen...).
Umgekehrt sprechen relativ viele Leute ein bisschen Deutsch. Anfangs war es fast ein bisschen irritierend, dass immer, wenn wir auf Englisch etwas gefragt haben, eine deutsche Antwort kam. Hoert man unserem Englisch etwa einen deutschen Akzent an? Die Loesung ist eher, dass viele Leute hier schon mal als Gastarbeiter in Deutschland oder der Schweiz gewesen sind und deshalb wohl tatsaechlich besser Deutsch als Englisch sprechen. In Ulcinj gibt es auch viele Albaner, haeufig Fluechtlinge aus dem Kosovo. Die ganzen politischen, historischen, kulturellen Hintergruende werfen uns schon immer wieder Fragen auf und gerne wuessten wir mehr darueber...
Allerdings sind bei soviel Sonne und Meer andere Dinge im Moment gewichtiger. V.a. die Abkuehlung. Derzeit scheint es taeglich ein bisschen heisser zu werden und langsam verstehen wir, weshalb Badetouristen nichts anderes tun als baden und nichtstun: Alles andere ist furchtbar anstrengend. So verbrachten wir auch gestern einen ausgesprochen faulen Tag: Ausschlafen. Fruestucken. An den Strand gehen, baden. Im sympathischen Restaurant Aldi einen sopška salat essen (eine Art griechischer Salat). Wir waren schon auf dem Weg in die Vila Aldin fuer eine Siesta, als wir an einer Garage vorbeikamen. Man muss sich das so vorstellen: Oben ist es schoenes Wohnhaus, unten hat es drei Garageraeume, wo eben Garagistenarbeiten ausgefuert werden. In einem der Raeume stand ein Tisch, daran einige Maenner und darauf eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky. Wir gruessten beim Vorbeigehen und wurden darauf von einem aelteren Herrn sofort mit Handkuessen hereingebeten und an den Tisch gesetzt. Wir seien "meine Glueck", meinte der Mann und wollte, dass Jonas und ich uns kuessten. "Liebe - meine Glueck". Und dann schon bald: "Wodka oder Whisky?" Bevor wir den Whisky allerdings bekamen, gab es fuer jeden von uns einen Eiswuerfel. Und dann eine Olive. Und uns wurde klar, dass die Gesellschaft bereits sehr feuchtfroehlich war. Die in den USA lebende Schwiegertochter brachte dann den Whisky und es entspann sich ein merkwuerdinges Gespraech; merkwuerdig, weil wir je nach Person auf englisch, deutsch oder italienisch-gemischt-mit-serbisch-und-spanisch angesprochen wurden. Hauptsaechlich ging es darum, dass ich mit Jonas einen tollen Mann gefunden habe und Jonas mit mir eine tolle Frau. Und dass wir uns kuessen sollten. Was jedesmal viel Gelaechter ausloeste. Auch wir waren heimlich am Kichern, als wir schliesslich weitergingen - und zuvor noch vom einzigen nuechternen Mann herzlich in Montenegro willkommen geheissen und fuer zukuenftige Drinks eingeladen wurden. Wirklich eine erinnerungswuerdige Begegnung!
Danach war die Siesta nun doppelt noetig und so war es schon gegen Abend, als wir einen kleinen Strandspaziergang machten und uns nochmals ins Meer wagten. Und hier entdeckten wir... die Zeit. Ploetzlich war es wunderschoen, keine genaueren Plaene zu haben, keine Termine, sondern einfach mit einem Buch dazuliegen oder aber den Leuten zuzuschauen oder aber gar nichts zu denken, sondern nur noch zu sein... Sowas nennt man, glaube ich, Ferien...
Good luck, Germania
Nach einer guten Stunde Internet vorgestern schauten wir uns die Stadt etwas an, wegen der Hitze landeten wir aber schon bald unter dem Sonnenschirm eines Restaurants mit wunderbarer Aussicht aufs Meer. Ein Kosovo-Albaner, der mal in Deutschland gewesen war, brachte uns Pfannkuchen und etwas zu trinken, flotte Bedienung auf Deutsch...
Spaeter gings dann zurueck durch den Spinnenwald, der nun auch noch zum Schlangenwald wurde, wir sahen eine, laut Reisefuehrer aber keine giftige. Irena (die Besitzerin unseres Hauses) meinte, sie habe noch nie eine Schlange gesehen hier (und sie hat das Haus seit 20 Jahren...). Spinnen hatte es dafuer etwas weniger, oder zumindest sah man sie nicht, weil es schon etwas schattig wurde.
Am Abend gabs dann Pizza in unserer Lieblingspizzeria beim Strand. Zum Klischee, das man bei uns oft ueber die "Jugos" hat: Vollkommen falsch, die Leute sind extrem freundlich. Nach dem Essen wurde der Fernseher eingeschaltet, das Spiel Deutschland-Tuerkei wurde uebertragen. Sofort war jemand zur Stelle, der uns den Tisch und die Baenke verschob, damit wir besser sehen konnten, jemand anderes brachte uns Anti-Brum mit dem Kommentar "you have this?", und obwohl wir sagten, "yes we have" liess er uns den Spray da, was uns einen ziemlich Mueckenfreien Abend bescherte. Irgendwie schienen alle fuer die Tuerken zu sein, als wir aber nach dem Sieg der Deutschen nach Hause gingen, meinten die Leute trotzdem: "Good luck, Germania". Dass wir Schweizer seien fanden sie weniger schlimm, Deutschland sei ja gerade nebenan.
27.06.08 12:25:53, 