Archiv für: Juni 2008, 20

Belgrad Ahoi

von Miriam E-Mail

Wir haben es geschafft! Nach ca. 20 Stunden Zugfahrt sind wir in Belgrad angekommen. Die Reise hat uns doch immer wieder ueberrascht. Z.B. herrschte die groesste Bahnhofskonfusion in... Basel: Der Zug nach Zuerich sollte auf Gleis 4 fahren, wo aber ein EM-Extrazug zum Stadion fuhr. Wir wurden auf Gleis 14 geschickt. Von dort auf Gleis 4 zurueck. Dann auf Gleis 15. Dann nahmen wir einen anderen Zug nach Zuerich...
Staunen auch in Zuerich: Unser Zug beinhaltete Wagen aus Oesterreich, Kroatien sowie einen SBB-Wagen aelteren Modells - bei uns vielleicht noch so zwischen Basel und Olten eingesetzt.
Unser kroatischer Schlafwagen (Zweierabteil!) erwies sich als de luxe: Vor allem die Lichtsteuerung faszinierte uns sehr: Neben allgemeinem Licht in den Stufen 50% und 100% gab es noch ein Oberlicht sowie ein "washboard-light". Jonas wusste ab der vielen kroatischen Kommentare schon gar nicht mehr, wie jetzt das Licht zu loeschen sei, bis ich plump auf den Off-Schalter deutete...

Schlafwagen-KomfortNicht zu vernachlaessigen war natuerlich der Liegekomfort - und der war sehr gut, so dass wir erst relativ spaet irgendwo unter der strahlenden slovenischen Sonne erwachten. Unser erstes Anzeichen von Sommer!
Kurz vor Zagreb mussten wir dann von unserem klimatisierten Luxuswagen wechseln in... den SBB-Wagen aelteren Modells, also ohne Klimaanlage. Ausserdem wechselten wir auf dieser kurzen Strecke in eine lonely planet-welt, alle Mitreisenden schienen aus den verschiedensten Laendern ausser Kroatien zu kommen. In Zagreb aenderte sich das - der SBB-Wagon fuellte sich mit ganz neuen, "einheimischen" Reisenden.
Ausserdem wurden die Schlafwagen abgehaengt und - wie mehrmals auf der Reise - neue Wagons angehaengt.
Weiter ging es durch eine Landschaft von fast schon unermesslicher Weite - viel Landwirtschaft, dazwischen wilde Buschhecken.
Obwohl es immer heisser im Zug wurde (manchmal lohnt es sich, Flamenco-Accessoires dabei zu haben!) und viele Leute lange Strecken fuhren, blieb es angenehm ruhig im Zug. Ein "Waegeli" gibt es uebrigens nicht; ein Mann verkaufte einmal selbstgemacht aussehende Sandwiches, spaeter Wasser und tuerkischen Kaffee. Wie wir in Belgrad feststellen konnten, war unterwegs auch mal ein Speisewagen angehaengt worden, wir wissen nur nicht wann und wo und waren deshalb froh um unsere rund 5 Liter Getraenke, die wir mitgebracht und getrunken hatten.
Dann endlich die letzte Grenzkontrolle und es ging weiter durch unendliche Weite, dieses Mal in Serbien. Ca. 2 Stunden vor Belgrad sahen wir zum ersten Mal Muell - und dann gleich in Riesenmengen entlang der Geleise. Auch zwei Slumaehnliche Siedlungen sahen wir .
Belgrad selbst zeigte sich aus dem Zug als faszinierendes Nebeneinander von moderner Skyline und Bruchbuden. Das gruene Tram, das dadurch fuhr, sah den Basler Trams verblueffend aehnlich - ob die BVB wohl ihre alten Modelle in Neu-Belgrad entsorgt?

Ja, und als wir ausgestiegen waren zeigte sich, dass der alte SBB-Wagen als einziger den Weg von Zuerich nach Belgrad mitgemacht hatte. Das gab uns schon zu denken - offensichtlich sind es vor allem unsere Komfortansprueche, weswegen diese Wagen in der Schweiy fast nur noch auf kuerzeren Strecken eingesetzt werden.

Nach einer Taxifahrt zum Hotel und einer Dusche ging es dann in die Fussgaengerzone von Belgrad. Bekannte und unbekannte Geschaeftsnamen sind da vertreten - unter anderem gibt es einen DM????!!!! Nach etwas flanieren brauchten wir dringend eine Pizza, wobei wir dem sehr lebhaften Treiben um uns herum zusahen. Mein erster Eindruck ist: Alles muss noch neu entdeckt werden und allfaellige Serbienbilder in meinem Kopf stimmen wohl doch nicht ganz. Ich bin gespannt!