Archiv für: Juni 2008
Mini-Market und mehr
Heute ein weiterer gemuetlicher Tag - und da Jonas darueber berichtet, ergreife ich die Gelegenheit, mal ueber ein paar andere Dinge zu schreiben, die uns immer wieder begegnen.
Zum ersten das negative: Bettler. Es gibt sie hier nicht haeufig, aber immer wieder. Offensichtlich handelt es sich dabei v.a. um Fluechtlinge aus dem Kosovo. Und wie auch sonstwo wissen wir nie genau, wie mit diesen Begegnungen umzugehen.
Das andere negative: Muecken! Jeden Abend ab 18 Uhr muessen wir sofort zum einheimischen Antimuecken-Mittel greifen, um halbwegs davonzukommen, trotzdem tragen wir taeglich mindestens 5 neue Stiche davon. Wenn man ausrechnet, dass es am ersten Abend ca. 30 Stiche pro Person sind, kann man sich ausmalen, wie wir inzwischen aussehen... Da sich bei Jonas im Gegensatz zu mir die Stiche v.a. um die Fuesse zentrieren und ich noch einen hitzebedingten Ausschlag habe (nicht schlimm, juckt nicht, sieht einfach nicht so schoen aus...), bin aber nur ich es, die wie eine Masernkranke herumlaeuft. Dank fleissigem Euceta-Einsatz halten wir das Jucken im Schach...
Was uns hingegen sehr gefaellt: Die Minimaerkte hier. An jeder Ecke gibt es einen oder gleich mehrere. Von der Groesse her sind sie tatsaechlich "mini" - aber man findet alles in ihnen! Inklusive sehr freundlicher, hilfsbereiter Bedienung. Z.B. wollten wir einmal Toilettenpapier kaufen und es gab nur grosse Packungen. Schwupps wurden wir gefragt, wieviel wir denn braeuchten und die benoetigten 2 Rollen in ein Plasticksaeckli gepackt. Die Plasticksaeckli sind denn auch eines der wichtigsten Utensilien der Maerkte: an der Kasse werden unverpackte Artikel wie Brot in ein Saeckli gepackt, das dann mit dem Rest der Einkaeufe in ein weiteres Plasticksaeckli gesteckt wird. Da es sich um die duennen Saeckli handelt, muessen bei jedem groesseren oder schwereren Einkauf gleich mehrere Saeckli herhalten. Wir haben also schon eine ganze Menge davon. Aber immerhin: Sie lassen sich dann als Abfallsammlungsbehaelter recyclen...
Abfall ist natuerlich auch ein Thema hier. Es gibt grosse Container, in die der Abfall (meist eben in den bewaehrten Plasticksaecklis) entsorgt werden kann. Trotzdem gibt es immer wieder kleinere bis groessere Abfallberge. Gemaess Irena stammen die aus zwei Quellen: Zum einen seien meist die Albaner fuer den Abfall verantwortlich, die es aus ihrer Heimat her eben nicht anders kennen. Tatsaechlich sehen wir dauernd Leute am Putzen und Aufraeumen, auch in Belgrad ist uns das sehr aufgefallen. Und auf unserer Reise durch Kroatien haben wir ebenfalls immer wieder ueber die blitzsauberen Perrons (neben den herrlich ueberwachsenen Geleisen) gestaunt.
Der andere Grund ist die Bautaetigkeit. Bis wir von Irena "aufgeklaert" wurden, haben wir uns immer wieder gewundert, dass wir Leute sehen, die in halbfertigen Haeusern wohnen. Das untere Stockwerk wird bewohnt, das obere ist noch eine Baustelle. Offensichtlich verhaelt es sich so, dass es ein Gesetzt gibt, dass man wegen der Touristensaison von Juni bis September nicht bauen darf. Das heisst, dass man halt immer ein halbes Jahr lang weiterbaut, dann warten muss, vielleicht kleinere Arbeiten ausfuehrt, die keinen Laerm macht. Und irgendwann ist das Haus dann fertig... Bis diese Bausaison abgeschlossen ist, duerfen die Arbeiter relativ freizuegig mit Abfall umgehen, der danach in Containern entsorgt werden soll - nur klappt das offensichtlich nicht so ganz.
In Ulcinj (und gemaess Reisefuehrer generell in Montenegro) herrscht derzeit ein ziemlicher Bauboom. V.a. Hotels und Ferienwohnung sind am entstehen. (Wir stossen dauernd auf Schilder mit der Aufschrift "sobe, dhoma, rooms, Zimmer" oder "apartman"). Gemaess Fuehrer verdraengen die privaten Unternehmer damit zunehmend die ehemals staatlichen Hotels, die entweder stark investieren muessen oder zu gehen. Allerdings kommt der Staat nicht fuer die Infrastruktur auf - aber darueber schreibt bereits Jonas. Gemaess Irena ist die Gegend um die velika plaža bereits sehr viel zugebauter wie damals vor 20 Jahren, als sie (als erste) mit ihrem Hausbau begonnen hat. Sie hofft denn auch, dass die Regierung dem wuchernden Bauen einen Riegel vorschiebt.
Was uns hier sehr gefaellt sind Dinge, wie dass unsere Nachbarn uns regelmaessig gruessen und versuchen, trotz Sprachbarrieren ein Gespraech mit uns anzufangen. Auch auf dem Marktbesuch heute ist mir aufgefallen, dass Irena bei jedem Stand ein Gespraech gefuehrt hat. Und was mich sehr freut: die Minimarkt Tradition koennen wir in Basel weiterfuehren - in unserem neuen Quartier gibt es ein Quartierlaedel mit serbisch-montenegrinischen Besitzern: "Zum Nikolic" an der Dornacherstrasse, wo wir wahrscheinlich Stammkunden werden...
Wir haben heute das Kamerakabel nicht dabei - der Beitrag wird sicher noch mit Bildern ergaenzt werden...
Schon bald gehts wieder heim...
Wohl zum letzten Mal sind wir im Internet-Cafe im "Centar" von Ulcinj, direkt am Strand. Als erstes gab es heute bei Irena einen Tuerkisch-Kaffee-Kochkurs, das dazu notwenige Geschirr werden wir heute Nachmittag in unserem Lieblings-Minimarkt einkaufen gehen.
Nach dem Fruehstueck fuhren wir mit Irena zum Markt, assen dann palatšinke am angestammten Ort und machten uns dann auf den Weg zum CD-Laden, den wir etwas spaeter mit 7 neuen CDs verliessen, was albanisches, was vom ganzen Balkan und noch die CDs, die dem Verkaeufer am besten gefielen.
Die letzten Tage hatten wir immer mal wieder keinen Strom, einmal dauerte der Stromausfall fast 24 Stunden. Da werden die Spuren des Krieges sichtbar: Seit der Krieg vorbei ist, herrscht hier ein Bauboom, die vorhandene und im Krieg vernaechlaessigte Infrastruktur reicht dafuer nicht aus. Die Regierung hat kein Geld, um die Infrastruktur aufzubessern (oder hat Geld und will es nicht dafuer ausgeben, wie hier auch gesagt wird), so muss, wer ein Haus bauen will, selber Stromleitungen hinziehen, Wasser- und Kanalisationsanschluesse und Zufahrtstrassen bauen. Das Haus neben unserem hat keinen Wasseranschluss bekommen, die Besitzer bauen deswegen gerade ein Wasserreservoir auf ihrem Boden.
Irena hat vor ein paar Tagen eine Dusche vor der Gagarge installiert, welche man benutzen koennte, falls es ploetzlihc kein Wasser mehr haette. Eine Wasserknappheit waere dann aber nicht auf einen Mangel an Wasserzurueckzufuehren, sondern auf Leitungen, die bruechig sind und kaputt gehen koennten.
Morgen ist unser letzter Tag in Ulcinj. Am Mittwoch gehen wir dann um 10 Uhr auf den Zug in Bar, der um 19:00 in Belgrad sein sollte. Wir rechnen damit, dass wir ca. 21:00 dort eintreffen werden. Danach freuen wir uns auf die letzte Feriennacht im Hotel Moskva - bevor es dann auch die naechste, 19 Stuendige Reise nach Zuerich geht. Das Hotel Moskva hat uns die Reservierung heute bestaetigt - so haben wir zwischen zwei heissen und langen Reisen den Komfort eines schoenen Hotelzimmers... Danke auch fuer die grosszuegige Spende die wir erhalten haben - damit haetten wir nicht gerechnet...
Taxi Bonaca


Wenn man als Ferienlektuere "Hector und die Entdeckung der Zeit" von Francois Lelord (klick hier fuer eine Leseprobe) liest, beginnt man (frau) sich natuerlich auch Gedanken zum Thema Zeit zu machen. Die philosophische Erkenntnis des heutigen Tages war deshalb (in unserer "Stammbeiz", der Bar/Pizzeria Ardi sitzend, Jonas am Lernen, ich am Lesen und Schreiben), dass, wenn man Zeit hat, die Erlebnisse ganz von selbst zu einem kommen.
Tja, und die Erkenntnis hat sich gleich bestaetigt... Nach unserem Mittagessen (wie immer mit einem salat sopška oder eben shope sallate, je nachdem ob auf serbisch oder albanisch) machten wir uns an den task des Tages: "Unsere" Pizzeria und "unseren" Minimarkt sowie noch ein paar weitere Dinge zu fotografieren und einen kleinen Spaziergang in Richtung Lunapark zu machen.
Der Lunapark weist uebrigens darauf hin, dass die Saison noch nicht begonnen hat, aber bald beginnen wird: Er ist noch nicht in Betrieb genommen, ein, zwei Staende verkaufen aber bereits Souvenirs und weitere werden derzeit eingerichtet. Ueberhaupt gibt es taeglich neue Obststaende und solche, die alles fuer den Strand (Bikinis, Tuecher, Badelatschen, aufblasbare Tiere, Sonnencreme...) verkaufen. Wohl alles fuer die Saison...
Bei diesen Aktivitaeten stiessen wir auf ein Auto mit einer Schweizerischen Autonummer. Kanton Baselland. Wir haben den sicherlich netten Leuten also eine Notiz geschrieben und sind gespannt, ob sie eine Antwort an uns hinter dem Scheibenwischer hinterlegen werden...
Dabei sahen wir ploetzlich... ES! Das Wassertaxi! Das schoenste der Wassertaxis, naemlich das Taxi Bonaca! An der mala plaža hatten wir bereits gesehen, dass es hier Wassertaxis gibt, besonders gut gefallen hat uns ein farbig bemaltes. Die Nachfrage (allerdings bei einem anderen Modell) hat dann aber ergeben, dass die Fahrt an die velika plaža 30 Euro kosten wuerde - was uns dann in Anbetracht der anderen sehr guenstigen Preise doch etwas teuer vorkam. Als wir nun das bunte Taxi an der velika plaža sahen, sahen wir die Chance fuer eine guenstige Fahrt an die mala plaža und damit ins Stadtzentrum zu fahren. Wir rannten also ins Wasser zum Taxi (und Jonas war noch nie so schnell im Wasser wie heute!). Und tatsaechlich - 2 Euros pro Person, allerdings mussten wir noch eine Stunde warten. Unsere Taschen und Kleider gaben wir also ins Taxi (hier lohnt es sich, stets die Badesachen unter den Kleidern zu tragen) und schwammen und sonnten uns auf dem Boot. Mit der Zeit stiegen immer mehr Leute zu, bis das Boot so richtig voll war. Wir unterhielten uns mit dem Taxibetreiber - der, was es erstaunt es uns noch, bestens Deutsch konnte und auch die Schweiz kennt, allerdings lieber in Italien lebt, weil die Schweiz doch etwas langweilig wenn auch sehr schoen sei... Wie er uns erzaehlt hat, ist der Tourismus hier durch den Krieg sehr stark eingebrochen - v.a. kommen jetzt die "falschen" Touristen, haufig naemlich von anderen Balkanlaendern oder Montenegro selbst, die zahlungskraeftigen Europaeer fehlen... Wir werben also an dieser Stelle fuer Urlaub in Montenegro - die Adriakueste ist wunderschoen! Und wir bewundern immer wieder das unglaubliche Blau des Meeres, das satte, ueppige Gruen der Waelder, die schoene Form der Kueste...
All das konnten wir dann auf der Bootsfahrt bewundern - und konnten unsere Wanderroute per Schiff bewundern. Ein netter deutscher Montenegriner (oder montenegrischer Deutscher?) machte Fotos von uns - nicht nur deswegen werden wir heute Deutschland die Daumen druecken, wenn wir, wahrscheinlich in der Pizzeria Ardi den Match schauen.
Uebrigens ist das Meer draussen sehr viel bewegter als es von Land aus scheint - die Wellenfahrt hat richtig Spass gemacht und wir haben uns sehr gefreut, dass wir doch noch zu unserer Wassertaxifahrt gekommen sind.
Und es zeigt sich eben, dass die Ereignisse auf einen zukommen, wenn man genuegend Zeit fuer sie hat...
Danach gab es wieder feine palatšinke (Pfannkuchen) und bevor es zurueck geht, den obligaten Abstecher ins Internetcafe. Waehrend ich schreibe, stellt Jonas Fotos in die alten Beitraege - es lohnt sich also, nochmals dort vorbeizuschauen...
Nicht ganz, aber ein bischen ernst gemeint
Wir werden unsere letzte Nacht in Serbien im Hotel Moskva in Belgrad verbringen, dem Hotel in dem schon Peter Handke uebernachtet hat und das wegen seines Jugendstilbaus unter Denkmalschutz steht. Nun ist der Spass nicht ganz billig, darum gibts hier einen Spendenaufruf:
Mehr zum Hotel Moskva: www.hotelmoskva.co.yu
Velika Plaža

Heute war ein Spaziergang an der 14 Kilometer langen Velika Plaža angesagt. Natuerlich schafften wir nicht die ganzen 14 Kilometer, irgendwo weit vor der Haelfte nahmen wir ein Bad und gingen gemuetlich wieder zurueck.
Nach einer Siesta machten wir und auf den Weg zum Internet-Cafe, das in der Naehe des Hauses angeschrieben war. Auf dem Weg dorthin kreuzten wir schon wieder eine Schlange, es gibt Leute die wohnen hier 20 Jahre und sehen nie eine, und wir inerhalb einer Woche gleich zwei Mal. Zumindest wars auch dieses Mal keine giftige. Das Internet-Cafe existierte nicht ("we don't have internet") und so nahmen wir ein Taxi mit einem netten deutsch-italienisch-englisch-sprachigen Fahrer, der uns ins Zentrum fuhr und uns auch fuer 70 Euro einen Tag in Albanien herumfahren wuerde.
Gleich gehen wir noch was essen, dann fahren wir mit dem Taxi wieder zurueck nach Hause.
Nachtrag: Spontan entschieden wir, noch was zu trinken, im sagenhaften Ibizza...
Der Markt (und die Hitze) von Ulcinj
Irena brachte uns am Morgen zum Markt von Ulcinj. Ein ueberschaubares, aber sehr lebendiges Durcheinander von Gemuesen, Fruechten, Haushaltwaren, Autoteilen und allem anderen. Jede Menge schoener Fruechte gab es dort, wir beschraenkten uns vorerst auf Aprikosen, und schafften es, mit nur einem halben Kilo davonzukommen (fuer 75 Cent). Etwas weniger schoen war, dass ueberall Huehner verkauft wurde, ein Huhn scheint hier wirklich ein Gebrauchsgegenstand zu sein, wird nicht anders als eine Frucht in einer Harasse gelagert.
Nach dem Markt ging es zur Kirche desa heiligen Nikolas und zu ganz vielen Bikini-Shops, ungefaehr beim 340zigsten (natuerlich grenzenlos uebertrieben) fand Miriam schliesslich ein neues Bikini fuer sich.
Sobald wir aus dem Internet-Cafe raus sind machen wir uns auf den Weg zum Eiscaffee und dann hoffentlich nochmals zu den Pfannkuchen, bevor wir mit dem Taxi zurueckfahren und gegen Abend wohl nochmals ins Meer gehen.
Wir sind bei den Jugos
Gestern haben wir festgestellt, dass wir ja eigentlich bei den Jugos sind. Und haben uns dann gefragt, wo die ganzen Raser und Kriminellen nun sind (die SVP wuerde wahrscheinlich sagen "in der Schweiz") - hier sind wir ihnen zumindest noch nicht begegnet. Im Gegenteil, wir erleben die Leute hier als sehr freundlich und hilfsbereit - und das ist eigentlich schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass unser Serbisch-Wortschatz "Guten Morgen", "Guten Tag", "Guten Abend" und "danke" umfasst. (Aufgrund dieses Vocabulars sind tatsaechlich Nachbarn von Irena der Ueberzeugung gewesen, wir wuerden serbisch bzw. montenegrinisch sprechen...).
Umgekehrt sprechen relativ viele Leute ein bisschen Deutsch. Anfangs war es fast ein bisschen irritierend, dass immer, wenn wir auf Englisch etwas gefragt haben, eine deutsche Antwort kam. Hoert man unserem Englisch etwa einen deutschen Akzent an? Die Loesung ist eher, dass viele Leute hier schon mal als Gastarbeiter in Deutschland oder der Schweiz gewesen sind und deshalb wohl tatsaechlich besser Deutsch als Englisch sprechen. In Ulcinj gibt es auch viele Albaner, haeufig Fluechtlinge aus dem Kosovo. Die ganzen politischen, historischen, kulturellen Hintergruende werfen uns schon immer wieder Fragen auf und gerne wuessten wir mehr darueber...
Allerdings sind bei soviel Sonne und Meer andere Dinge im Moment gewichtiger. V.a. die Abkuehlung. Derzeit scheint es taeglich ein bisschen heisser zu werden und langsam verstehen wir, weshalb Badetouristen nichts anderes tun als baden und nichtstun: Alles andere ist furchtbar anstrengend. So verbrachten wir auch gestern einen ausgesprochen faulen Tag: Ausschlafen. Fruestucken. An den Strand gehen, baden. Im sympathischen Restaurant Aldi einen sopška salat essen (eine Art griechischer Salat). Wir waren schon auf dem Weg in die Vila Aldin fuer eine Siesta, als wir an einer Garage vorbeikamen. Man muss sich das so vorstellen: Oben ist es schoenes Wohnhaus, unten hat es drei Garageraeume, wo eben Garagistenarbeiten ausgefuert werden. In einem der Raeume stand ein Tisch, daran einige Maenner und darauf eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky. Wir gruessten beim Vorbeigehen und wurden darauf von einem aelteren Herrn sofort mit Handkuessen hereingebeten und an den Tisch gesetzt. Wir seien "meine Glueck", meinte der Mann und wollte, dass Jonas und ich uns kuessten. "Liebe - meine Glueck". Und dann schon bald: "Wodka oder Whisky?" Bevor wir den Whisky allerdings bekamen, gab es fuer jeden von uns einen Eiswuerfel. Und dann eine Olive. Und uns wurde klar, dass die Gesellschaft bereits sehr feuchtfroehlich war. Die in den USA lebende Schwiegertochter brachte dann den Whisky und es entspann sich ein merkwuerdinges Gespraech; merkwuerdig, weil wir je nach Person auf englisch, deutsch oder italienisch-gemischt-mit-serbisch-und-spanisch angesprochen wurden. Hauptsaechlich ging es darum, dass ich mit Jonas einen tollen Mann gefunden habe und Jonas mit mir eine tolle Frau. Und dass wir uns kuessen sollten. Was jedesmal viel Gelaechter ausloeste. Auch wir waren heimlich am Kichern, als wir schliesslich weitergingen - und zuvor noch vom einzigen nuechternen Mann herzlich in Montenegro willkommen geheissen und fuer zukuenftige Drinks eingeladen wurden. Wirklich eine erinnerungswuerdige Begegnung!
Danach war die Siesta nun doppelt noetig und so war es schon gegen Abend, als wir einen kleinen Strandspaziergang machten und uns nochmals ins Meer wagten. Und hier entdeckten wir... die Zeit. Ploetzlich war es wunderschoen, keine genaueren Plaene zu haben, keine Termine, sondern einfach mit einem Buch dazuliegen oder aber den Leuten zuzuschauen oder aber gar nichts zu denken, sondern nur noch zu sein... Sowas nennt man, glaube ich, Ferien...
Good luck, Germania
Nach einer guten Stunde Internet vorgestern schauten wir uns die Stadt etwas an, wegen der Hitze landeten wir aber schon bald unter dem Sonnenschirm eines Restaurants mit wunderbarer Aussicht aufs Meer. Ein Kosovo-Albaner, der mal in Deutschland gewesen war, brachte uns Pfannkuchen und etwas zu trinken, flotte Bedienung auf Deutsch...
Spaeter gings dann zurueck durch den Spinnenwald, der nun auch noch zum Schlangenwald wurde, wir sahen eine, laut Reisefuehrer aber keine giftige. Irena (die Besitzerin unseres Hauses) meinte, sie habe noch nie eine Schlange gesehen hier (und sie hat das Haus seit 20 Jahren...). Spinnen hatte es dafuer etwas weniger, oder zumindest sah man sie nicht, weil es schon etwas schattig wurde.
Am Abend gabs dann Pizza in unserer Lieblingspizzeria beim Strand. Zum Klischee, das man bei uns oft ueber die "Jugos" hat: Vollkommen falsch, die Leute sind extrem freundlich. Nach dem Essen wurde der Fernseher eingeschaltet, das Spiel Deutschland-Tuerkei wurde uebertragen. Sofort war jemand zur Stelle, der uns den Tisch und die Baenke verschob, damit wir besser sehen konnten, jemand anderes brachte uns Anti-Brum mit dem Kommentar "you have this?", und obwohl wir sagten, "yes we have" liess er uns den Spray da, was uns einen ziemlich Mueckenfreien Abend bescherte. Irgendwie schienen alle fuer die Tuerken zu sein, als wir aber nach dem Sieg der Deutschen nach Hause gingen, meinten die Leute trotzdem: "Good luck, Germania". Dass wir Schweizer seien fanden sie weniger schlimm, Deutschland sei ja gerade nebenan.
Ulcinj
Gestern haben wir unser "Hauptziel" Ulcinj erreicht. Nach einer hitzebegruendetetn unruhigen Nacht und einem heissen Morgen in Podgorica ging es wieder auf den Zug, nun nach Bar.
Die Hitze ist auch der Hauptgrund, weshalb wir uns fuer Podgorica nicht richtig erwaermen konnten, auch wenn das paradox klingt...
Die Zugfahrt war dieses Mal kurz - sie dauerte eine Stunde plus die obligatorische Verspaetung, dieses Mal aber nur ca. 15 Minuten. Offensichtlich draengte es ganz Podgorica in kuehlere Gegenden sprich ans Meer. So war der Zug voller Leute, die juengeren begnuegten sich mit Badeshorts und einem Handtuch als Gepaeck. Obwohl der Zug ziemlich voll war, war die Stimmung einmal mehr sehr entspannt und zufrieden. Und auch dieses Mal erstaunte uns die Landschaft wieder. Podgorica liegt in einer topfgeraden Ebene - kein Wunder also, dass sie eher trocken aussah. Allerdings dauerte es nicht lange, da war alles wieder ausserst gruen. Es gab viele von diesen hohen, schlanken Baeumen - Zedern? Und dann erspaehten wir etwas, was wie ein Sumpf voller Seerosen und Schilf aussah. Dieser Sumpf hoerte aber nicht auf, sondern bald darauf sahen wir noch einen kleinen Fluss, der aber ebenfalls nicht aufhoerte, sondern sich als riesigen See, den Skader-See entpuppte. Wunderschoen!
Dann ging es durch einen laaaangen Tunnel und als wir wieder herauskamen, sahen wir... das Meer!
In Bar wurden wir von Irena, der Besitzerin der Vila Aldin abgeholt. Wer sehen moechte, wo wir derzeit wohnen: http://www.vila-aldin.ch/
Wir koennen es bisher nur empfehlen!
Nach Dusche und Siesta ging es an den Strand, der tatsaechlich nur knappe 300 Meter vom Haus entfernt liegt, kauften in einem der vielen Mini-Maerkte ein und erlebten vor dem Essen einen wunderschoenen Sonnenuntergang...
Heute machten wir uns auf den Weg in das alte Ulcinj. Das bedingte eine Wanderung von ca. einer Stunde: Ueber einen Huegel, durch Wald und schliesslich am Waldstrand entlang (wie sollte man es auch sonst nennen, wenn ein Wald direkt an das Meer anscchliesst und in Buchten wie aus dem Reiseprospekt Leute baden?)
Die Natur war einmal mehr fantastisch - je nachdem, wo wir gerade waren, roch es nach Nadelbauemen oder Wildblumen oder Salzwasser... Hier waere ich gerne Biologin und wuesste, was fuer Pflanzen hier bunt bluehen und was fuer Kaefer und Schmetterlinge unterwegs sind. Begleitet wurde der Weg von einem Grillen-und-Zykaden-Orchester...
Das einzige, was mir nicht so gefiel: Auch den Spinnen gefaellt der Weg. Und offenbar warten sie auf Touristen-Beute, sie haben ihre Netze mit groesster Regelmaessigkeit ueber die Wege gespannt... Dabei handelt es sich um eine Spinnensorte, die entweder wie eine ueberdimensionierte Kreuzspinne oder eine ziemlich kleine Vogelspinne aussieht. Ich kam mir vor wie Bilbo im Duesterwald oder Harry im Hogwartswald und Jonas musste heldenhaft vorausgehen und die Spinnennetze beiseitigen...
Nach einem Salat zum Zmittag sind wir nun in einem Internetcafe gleich am Strand. Jonas versucht, Bilder auf den Blog zu laden - und ein neues Headerbild hat er schon gemacht (falls es nicht automatisch erscheint, auf "aktualisieren" klicken). Das Foto stammt von der Zugfahrt von Belgrad nach Podgorica und zeigt die spektakulaere Bruecke ueber einen spektakulaeren Abgrund, den wir spektakulaer per Bahn ueberquert haben - es war wrklich sehr eindruecklich...
Ja, und nun winken uns Eiscafe und Stadtbesichtigung...
Podgorica
Nach gut 10 Stunden spektakulaerer Zugfahrt sind wir in Podgorica angekommen. Die Fahrt, die eigentlihc 8 Stunden haette dauern sollen, ging in gemuetlichem Tempo mit vielen Pausen ueber Berge und durch wunderschoene Landschaften. Anfangs wars vor allem heiss, mit der Zeit gewoehnten wir uns an die Temperatur. Trotzdem verbrachten wir die Zeit vor allem mit existieren, viel mehr war nicht zu machen. Lesen war sowieso unmoeglich, da die Strecke voller Tunnels war, und das Licht ausser im Abteil neben unserem im ganzen nur drei Mal fuer ein paar Minuten funktionierte (die Siicherung viel immer wieder raus, und der Passagier der wusste was da zu machen war wollte nciht dauernd aufstehen).
Inzwischen sind wir in einem sehr angenehmen Hotel in Podgorica und freuen uns auf die kalte Dusche.
Nachtrag.... Miriam hat das letzte Wort fuer heute
All diese Erlebnisse haben uns immer wieder diskutieren lassen, was fuer einen Eindruck uns Belgrad hinterlaesst. Bisher einen ausgesprochen positiven! Die Strassen und der Park sind sehr sauber, die Leute ausgesprochen freundlich und hoeflich und es herrscht eine entspannte und gleichzeitig sehr lebensfreudige Stimmung. Manchmal gibt es kleine Dinge die kleine Brueche (oder Brueche fuer uns) vermuten lassen - z.B. Kommentare ueber Roma (oder Roma-Kinder die virtuos Strassenmusik machen), Tuerken (die Osmanen haben offensichtlich tiefe Spuren hinterlassen).
Trotzdem, auch in offensichtlich weniger reichen Quartieren ist es angenehm und fuehlt es sich sicher an. Und: Touristisch ist hier fast nichts - allenfalls die Skaderlija.
Gerade wegen der Lebensfreude und einem Gefuehl von Savoir Vivre ist Belgrad einfach eine schoene, entspannte Stadt fuer Ferien...
Und morgen verlassen wir Serbien und auf gehts nach Montengro!
Allerhand Maerkte
Nach dem Fruestueck mit Menu 5 und 10 und Getraenk 3 und 7 gings zur hram svetog Save (Kirche) - ein Riesenbau, praktisch in der ganzen Stadt sichtbar, und doch immer weit weg. Die Kirche ist seit ueber 100 Jahren eine Baustelle, troztdem aber wird sie benutzt, mitsamt Kiosk mit Devotionalien.
Nach den sakralen zu den weltlichen Beduerfnissen: Auf einem Markt auf dem Kalenic Pijaca kaufte ich einen Gurt (Kommentar des Verkaufers, weil er viele Loecher machen musste: Ou!), Miriam ein schoenes weisses nicht-Kleid-sondern-Bluse (beides sofort im Gebrauch). Der Versuch ein halbes Kilo Kirschen und ein paar Pfirsiche zu kaufen scheiterte, wir gingen mit 1.5 Kilo Kirschen und einem Kilo Pfirsichen davon; zwar konnten wir mit Hilfe des Reisefuehrers "halbes Kilo" sagen, was aber sofort als eineinhalb Kilo interpretiert wurde. Im CD-Laden etwas weiter erstanden wir die ersten CDs, inklusive einer kurzen Einfuehrung ueber die Nicht-Liebe der Montenegriner zu den Serben und der Serben gegenueber der Tuerken. Immerhin schien unsere CD-Wahl nicht so schlecht zu sein, eine Frau kaufte jedenfalls die gleiche CD wie wir. Und dafuer kauften wir dann die gleiche wie sie, und alle waren wir gluecklich, auch der Verklaeufer.
Nach einem Mittagessen im Park Kalemegdan schauten wir die Festung Belgrads mitsamt einer Menge Panzer und Kanonen an und bewunderten (fuer etwa 40 Rappen) eine wunderbare Aussicht ueber die Stadt sowie die Fluesse Donau und Sava.
Nach einem Eiskaffee im noblen Hotel Moskva (sehr empfehlenswert!) gings zum Abendessen (Spaghetti mit Mozarella und Cherry-Tomaten im Via del Gusto, auch sehr empfehlenswert). Als Abschluss des Tages gingen wir ans Openair-Konzert einer Franzoesischen Band im Kalemegdan Park.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des einkaufens (am Sonntag!). Zuerst gings auf den CD-Schwarzmarkt beim Student Cultural Center, wo wir 11 CDs mit serbischer Musik kauften. Sollten wir mehr brauchen ist vorgesorgt, ein freundlicher und sehr kompetenter Verkaeufer hat uns die Karte seines Ladens mitgegeben ("good for me but not for your wallet"). Danach gingen wir, natuerlich ohne zu suchen und natuerlich nach einem Eiskaffee im Moska, auf direkten Weg zum Bahnhof, um zwei Zugtickets fuer die Reise nach Podgorica morgen zu kaufen. Fuer Ablenkung auf dem Weg sorgten die verschiedensten mehr oder minder legalen Einkaufsstaende (Sex and the City DVD, selbstgebrannt, fuer Miriam, ein paar Sandalen fuer Jonas) und die Unterfuehrung mit Markt und Live-Musik.
Am Nachmittag einmal mehr Pick-Nick im Park und danach Kaffeetrinken an der Skadarlija (Bohemian Quarter). Und dann ins Internet-Kaffee zum Blogschreiben.
PS: Die Kommentarfunktion funktioniert wieder, fuer all jene die noch nie was geschrieben haben.
Belgrad Ahoi
Wir haben es geschafft! Nach ca. 20 Stunden Zugfahrt sind wir in Belgrad angekommen. Die Reise hat uns doch immer wieder ueberrascht. Z.B. herrschte die groesste Bahnhofskonfusion in... Basel: Der Zug nach Zuerich sollte auf Gleis 4 fahren, wo aber ein EM-Extrazug zum Stadion fuhr. Wir wurden auf Gleis 14 geschickt. Von dort auf Gleis 4 zurueck. Dann auf Gleis 15. Dann nahmen wir einen anderen Zug nach Zuerich...
Staunen auch in Zuerich: Unser Zug beinhaltete Wagen aus Oesterreich, Kroatien sowie einen SBB-Wagen aelteren Modells - bei uns vielleicht noch so zwischen Basel und Olten eingesetzt.
Unser kroatischer Schlafwagen (Zweierabteil!) erwies sich als de luxe: Vor allem die Lichtsteuerung faszinierte uns sehr: Neben allgemeinem Licht in den Stufen 50% und 100% gab es noch ein Oberlicht sowie ein "washboard-light". Jonas wusste ab der vielen kroatischen Kommentare schon gar nicht mehr, wie jetzt das Licht zu loeschen sei, bis ich plump auf den Off-Schalter deutete...
Nicht zu vernachlaessigen war natuerlich der Liegekomfort - und der war sehr gut, so dass wir erst relativ spaet irgendwo unter der strahlenden slovenischen Sonne erwachten. Unser erstes Anzeichen von Sommer!
Kurz vor Zagreb mussten wir dann von unserem klimatisierten Luxuswagen wechseln in... den SBB-Wagen aelteren Modells, also ohne Klimaanlage. Ausserdem wechselten wir auf dieser kurzen Strecke in eine lonely planet-welt, alle Mitreisenden schienen aus den verschiedensten Laendern ausser Kroatien zu kommen. In Zagreb aenderte sich das - der SBB-Wagon fuellte sich mit ganz neuen, "einheimischen" Reisenden.
Ausserdem wurden die Schlafwagen abgehaengt und - wie mehrmals auf der Reise - neue Wagons angehaengt.
Weiter ging es durch eine Landschaft von fast schon unermesslicher Weite - viel Landwirtschaft, dazwischen wilde Buschhecken.
Obwohl es immer heisser im Zug wurde (manchmal lohnt es sich, Flamenco-Accessoires dabei zu haben!) und viele Leute lange Strecken fuhren, blieb es angenehm ruhig im Zug. Ein "Waegeli" gibt es uebrigens nicht; ein Mann verkaufte einmal selbstgemacht aussehende Sandwiches, spaeter Wasser und tuerkischen Kaffee. Wie wir in Belgrad feststellen konnten, war unterwegs auch mal ein Speisewagen angehaengt worden, wir wissen nur nicht wann und wo und waren deshalb froh um unsere rund 5 Liter Getraenke, die wir mitgebracht und getrunken hatten.
Dann endlich die letzte Grenzkontrolle und es ging weiter durch unendliche Weite, dieses Mal in Serbien. Ca. 2 Stunden vor Belgrad sahen wir zum ersten Mal Muell - und dann gleich in Riesenmengen entlang der Geleise. Auch zwei Slumaehnliche Siedlungen sahen wir .
Belgrad selbst zeigte sich aus dem Zug als faszinierendes Nebeneinander von moderner Skyline und Bruchbuden. Das gruene Tram, das dadurch fuhr, sah den Basler Trams verblueffend aehnlich - ob die BVB wohl ihre alten Modelle in Neu-Belgrad entsorgt?
Ja, und als wir ausgestiegen waren zeigte sich, dass der alte SBB-Wagen als einziger den Weg von Zuerich nach Belgrad mitgemacht hatte. Das gab uns schon zu denken - offensichtlich sind es vor allem unsere Komfortansprueche, weswegen diese Wagen in der Schweiy fast nur noch auf kuerzeren Strecken eingesetzt werden.
Nach einer Taxifahrt zum Hotel und einer Dusche ging es dann in die Fussgaengerzone von Belgrad. Bekannte und unbekannte Geschaeftsnamen sind da vertreten - unter anderem gibt es einen DM????!!!! Nach etwas flanieren brauchten wir dringend eine Pizza, wobei wir dem sehr lebhaften Treiben um uns herum zusahen. Mein erster Eindruck ist: Alles muss noch neu entdeckt werden und allfaellige Serbienbilder in meinem Kopf stimmen wohl doch nicht ganz. Ich bin gespannt!
Morgen gehts los...
Am Abend vor der Reise ist ein Blog eingerichtet - für die Reise nach Montenegro. In den nächsten Tagen folgen hier mehr oder weniger regelmässig unsere Reiseberichte.
30.06.08 13:28:31, 