Das Weisse Schaf
15.07.08

Die Begegnung

Liebe Mitschafe

Ich möchte euch hier gerne einmal eine kleine Geschichte erzählen, die ich in letzter Zeit erlebt habe. Genau genommen vor 5 Sonnenaufgängen. Doch Moment, vielleicht möchtet ihr ja wissen wer ich bin! Wie auch ihr bin ich ein Schaf - ein weisses. Ich lebe irgendwo in den Bergen. Wo weiss ich nicht genau und es spielt mir auch keine Rolle, Hauptsache es hat frisches schönes Gras und das hat es hier wo ich lebe. Damit ihr auch wisst wie ich aussehe, hier ein Bild:

Nein, nein, ich bin nicht wie es aussieht alleine auf meiner Alp. Ich habe noch ganz viele Freunde und Freundinnen. Aber ich war halt schon immer etwas anders, etwas allein eben. Früher hatte ich riesen Angst, vor meinen Mitschafen. Vor allem die anderen, die nicht so sind wie ich. Aber mittlerweile habe ich mich auch an sie gewöhnt und eigentlich ist es nur das Fell das ein wenig anders ist als meines. Aber eben, jetzt mag ich sie.

Aber eigentlich wollte ich euch von etwas ganz anderem erzählen. Ich war also da und fras mein Gras. Die Sonne war noch nicht lange aufgegangen und plötzlich begannen meine Freunde zu blöcken. Das ist nichts abnormales, heisst aber, dass irgendetwas anders ist als sonst. So schaute auch ich von meinem Frühstück auf. Da kam etwas. Nein, kein Schaf. Es war ein anderes Wesen. Es ist irgendwie ähnlich wie das, was uns jeden Tag mit diesen arroganten bellenden Schafen besuchen kommt. Aber irgendwie eben doch anders. Es lief auf jeden Fall so dahin und ich bekam, wie immer wenn etwas fremd ist, riesen angst. So rannte ich sofort davon. Warum ich eigentlich angst hatte, weiss ich heute nicht mehr so genau, warscheindlich einfach weil dieses komische Wesen eben anders ist. Es ging auf zwei Beinen und hatte die anderen beiden irgendwie so verlängert, dass sie trotzdem auf den Boden kamen. Auf dem Rücken hatte er einen riesigen Sack.

Da lief dieses Wesen also einfach an mir vorbei. Es staunte über uns und wir staunten über das Wesen. Erst als es weg war, überlegte ich weiter. Eigentlich hätte es mich schon interessiert, was es hier wollte. Nur wegen meiner Angst hatte ich den Mut nicht zu ihm hin zu gehen. Vielleicht hätte es etwas gutes zu Essen gehabt für mich. Uhhh, da wären meine Freunde eifersüchtig gewesen! Schade! Ich werde auf jeden Fall das nächste mal allen Mut zusammennehmen und zu ihm hingehen, wenn es wieder kommt. Und falls irgendjemand von euch Mitschafen dieses Wesen sehen sollte, meldet es mir bitte! Es nimmt mich nämlich wirklich wunder, was es hier oben wollte!

Liebe Grüsse aus den Bergen,

euer Weisses Schaf

Martin
14.07.08

Abbruch

Tja, es sollte eben nicht sein! Nach dem schönen und gemütlichen Ruhetag am Samstag, startete ich gestern um halb neun und trotz sehr starkem Regen mit grossem Elan und Freude von Seelisberg dem Jakobsweg folgend Richtung Beckenried. Bereits nach einer guten Stunde in einem Aufstieg spührte ich, dass ich nicht weit kommen würde. Das Knie meckerte schon wieder. Voller Ärger (über was eigentlich???) ging ich aber weiter und dachte dass das schon wieder werden würde. Doch es wurde immer schlimmer und in Beckenried entschied ich mich definitiv nach hause zu fahren. Schade!

Es ist nicht schön ein solcher Entscheid zu fällen. Ich war sauer auf alles um mich herum. Sauer, weil mein Knie und die Achillessehne nicht zu dem fähig sind, was ich mir eigentlich vorgestellt habe.

Jetzt sitze ich am Tag danach zuhause und schreibe diesen Eintrag. Der Regen prasselt aufs Dach und wenn ich nach oben in die Berge schaue, sehe ich auf ca. 1700 Meter einen weissen Schimmer. Schnee! Wenn ich (mit Ruhetag) normal weitergegangen wäre, würde ich heute auf der Engstlenalp auf ca 1850 Meter im Zelt übernachten. Also irgendwo hatte ich auch ein wenig Glück im Unglück.

Jetzt habe ich noch ganz viele Ferien zum verbrauchen, was also tun? Ich werde das Wandern nicht ganz sein lassen und nach 2-3 Tagen Gelenkeschonen wieder losgehen. Ob einzelne Tage, oder noch einmal mehrere Tage werde ich schauen. Ganz sicher werde ich aber mein Gepäck - so schwierig es auch ist - auf 15 Kilo beschränken. Es gilt also nach wie vor: wer mitkommen möchte darf sich gerne melden! Vielleicht auch nur zu einer Tageswanderung...

Martin
12.07.08

Ruhetag

So, da bin ich also nach 3 Traumtagen und einem Krisentag in Seelisberg (eigentlich gerade in Brunnen, weil es in Seelisberg kein Internetcafe gibt) in der Jugi und geniesse einen schönen Ruhetag.

Begonnen hat die ganze Reise wie gesagt in Weisstannen, wo ich mich nach der ersten Stunde bereits zum ersten mal verlief (150 Höhemeter zu viel und grosser Ärger über das Routenbuch, das zu nichts taugt). Schlussendlich geschah dies aber zu meinem Glück! Bin ich doch so auf die Alp Foo gestossen wo ich in der Alphütte im Stroh übernachten durfte. Ein pensionierter KV-Rektor leistete mir dabei Gesellschaft und hatte sogar ein kühles Bier auf vorrat. (Ein Wunder! Musste man doch gut 2 Stunden und gut 500 Höhemeter zu Fuss zurücklegen um auf die Foo Alp zu kommen.)

Am Mittwoch dann gings morgens früh los über denn Foopass. Eine wunderschöne Wanderung durch das (so erfuhr ich später) ganz frisch erkorene UNESCO Weltnaturerbe der "Glarner Hauptüberschiebung". (Was allerdings für Otto Normalverbraucher nicht sehr spektakulär, aber für Geologen ein absolutes Weltwunder ist.) In Elm angekommen, suchte ich erst einmal einen neuen Schlafsack. In meinem alten hatte ich sogar im Stroh kalt und musste deshalb fast einen neuen haben. Wie ich diesen Schlafsack gekauft habe ist hier eine Erzählung wert:
Im offenen Sportgeschäft, das ich nach langem Suchen und einem (seit fünf Minuten) geschlossenen Sportladen fand, fragte ich nach einem Schlafsack. "Jaaa, da muss ich meine Frau fragen. 'Heidi, (sie hiess nicht so, aber den Namen hab ich vergessen) haben wir noch Schlafsäcke?'" - "Ja, dort oben auf dem Regal!" Tatsächlich waren da noch drei ganz verschiedene Modelle. Ein ganz hübscher Pinkiger, ein Riesiger und Schwerer Mammut und einen kleinen irgend einer mir unbekannten Marke. Wie viel dieser kleine denn koste, fragte ich. Jaaa, das müsse er nachschauen. (Der Preisanhänger war nicht mehr dran.) Er nahm ein Säcklein mit etwa 30 alten Preisanhänger hervor und suchte nach dem richtigen den er allerdings nicht fand. Auf meinen Vorschlag, ich könne mir sonst einen Anhänger auswählen ging er leider nicht ein, sonder fragte Heidi, ob sie vielleicht wisse wieviel dieser Schlafsack koste. Sie wisse es auch nicht, aber er könne ja sonst im Katalog nachschauen. Gesagt getan. Er nahm den Katalog und suchte nach dem richtigen Modell. Keine leichte Sache für nicht englisch Sprechende. "Heidi, wo finde ich das? Ist das bei 'Ropes'?" (Ropes=Seile) - "Nein - lass mich schauen..." Gleich oben dran war das Stichwort "Sleeping Systems". Bis sie ihn dann im Katalog gefunden hatten verging noch einmal einige Zeit. (Sie wollten mir (mittlerweile zu dritt suchend) zuerst 260 Franken heuschen, worauf ich sagte, dass es nicht ein "3-Season-" sondern um einen "Summer-"Schlafsack handelte.) Ach ja genau, hier sei er ja! 180.- Franken und wir waren alle zufrieden. Der Folgende Aufstieg zum wunderschönen Höheweg ob Elm war zwar anstrengend, aber auch herrlich durch einen kühlenden Wald. Bei der Skihütte Erbs (die paradoxerweise nur im Sommer geöffnet hat), mietete ich mich in ein Massenlager ein (Mit für mich persönlich bereitgestellten superfeinen Z'nacht!). Schon wieder Glück gehabt!

Auch am nächsten Tag ging es mit einer Passüberschreitung los: diesmal der Richetlipass rüber nach Linthal. Ich habe kaum so etwas schönes erlebt! Totale Einsamkeit und wunderschöne Landschaft!

Einzig der Hinweis dass "auf Touristen, die auf der Normalroute aufsteigen, beim Schiessen Rücksicht (!) genommen würde" störte etwas die Idylle. Der Abstieg nach Linthal lies meine Knie zum ersten mal etwas reklamieren, es war aber nicht so, dass es gar nicht mehr gegangen wäre. Ich entschied mich statt der normalen Route zu folgen, direkt nach Urnerboden aufzusteigen. So direkt war dieser Weg aber auch nicht. Kurz vor der Steigung, die ich eigentlich umgehen wollte kam ich wieder auf die Via Alpina. Knapp an Wasser war der Brunnen ganz oben eine riesen Erleichterung. Da stand ich gerne etwa 10 Minuten da bis meine Flasche voll war... Der Abstieg nach Urnerboden war ganz schön und schon von weitem sah ich die Zelte am Fluss. Genau das was ich brauche! Juhui! Beim dritten Zelt fragte ich den Besitzer, ob er vielleicht wisse wo es in der Nähe frisches Wasser habe. Klar, gleich dort drüben beim Bauernhof sei ein Brunnen und ob ich denn auch zelten wolle. Ja, das wolle ich, sagte ich. Ach ich könne gleich bei ihnen mein Zelt aufstellen und sowieso, dann könne ich gleich noch mit ihnen zu Abend essen. Wir verbrachten einen sehr gemütlichen Abend. (Hier noch ein riiiesen Dankeschön an Samanta und Tinu mit Familie!!)

Am nächsten Tag, gestern, gings auf den Klausenpass. Schnell und nicht unangenehm kam ich um 10:00 auf dem Pass an. Was dann folgte, war etas, dass ich eigentlich erwartet habe: Die grosse Krise! Warum tue ich das überhaupt? Ich könnte genausogut zuhause sitzen und geniessen! Dazu hielt mein Knie nicht und nach dem ersten grossen Abstieg, konnte ich kaum mehr gehen. Wie weiter? Ich setzte mich auf einen Stein und wartete auf bessere Zeiten. Und tatsächlich: Ich stand schon wieder und wollte weitergehen, da klingelte das Handy. Danke für die aufstellenden Worte! Das hat gut getan! Hinkend und mehr auf den Stöcken als auf den Beinen stieg ich noch bis Spiringen ab, wo ich mir bei einer Omelette und Mineralwasser Gedanken über den weiteren Verlauf machte. Aufgeben?

So ging ich erst einmal mit dem Bus nach Altdorf und von dort mit Zug und Bus nach Seelisberg wo ich eine wunderschöne Jugi für mich ganz alleine vorfand. Wow, das war schön!

So geniesse ich heute einen ruhigen, verregneten Tag.

Wies weiter geht weiss ich noch nicht genau. Wenn es von den Knien her geht, werde ich aber ganz sicher nicht aufgeben. Nein! Ich habe mit genau dieser Situation gerechnet. Eine Option ist der Jakobsweg, der fast bei der Jugi vorbei geht... Einmal schauen! Ihr hört weiter von mir!

jonas
10.07.08

Unterwegs

Wenn man mit Martin telefoniert hört man die Kuhglocken im Hintergrund. Er ist auf irgendeiner Alp und hat kein Internet. Darum hat er mich beauftragt, kurz hier reinzuschreiben wo er gerade ist.

Am Dienstag gings los in Weisstannen. Von dort ist er gewandert bis zur Alp Foo, Übernachtung im Stroh. Gestern dann gings über den Foopass nach Elm und über den Höheweg zur Hütte Erbs. Heute ist er über den Richetlipass nach Linthal und soweit wie möglich in Richtung Klausenpass.

Martin
07.07.08

Noch einmal schlafen...

Bald, sehr bald gehts los! In 24 Stunden bin ich irgendwo zwischen Regen und Nebel unterwegs Richtung Foopass! Vielleicht wird es aber auch gar nicht soooo schlechtes Wetter sein... Immerhin habe ich (nach langem Suchen) eine Wetter-Homepage gefunden, die für die nächsten Tage schönes Wetter meldet. Ich werde einfach an diese eine (einzige) Homepage glauben und die Sonnencreme zu oberst einpacken.

A propos einpacken: Ganz schön knifflig! Soll ich das jetzt mitnehmen oder ist es zu schwer? Brauche ich das? Au ja, das müsste ich noch kaufen und das auch noch! und so weiter... Aber ich werde ja nicht von aller Welt sein und immer wieder die möglichkeit haben etwas los zu werden was zu viel ist, oder etwas zu kaufen was mir fehlt.

Gekauft hab ich schon so einiges: Es macht riesig Spass im Coop vor dem Fertig-Trocken-Futter zu stehen und zu überlegen ob ich jetzt lieber getrocknete Pilze oder getrocknete Tomatensauce zu den getrockneten Teigwaren essen möchte. Aber natürlich gibt es auf dem Menuplan auch gesunde Dinge: Aprikosen (getrocknet) zum Beispiel; aber unbedingt "Angenehm sauer" und nicht etwa "süss" - die sind nämlich nicht sehr schmakhaft und ein kleines Bisschen Anspruch habe ich trotz aller Abgeschiedenheit der nächsten gut 2 Wochen!

(Leider haben die Äpfel nicht mehr aufs Bild gepasst...)

So werde ich morgen um 8:31 hier in Interlaken den Zug nehmen (in Erster Klasse - danke Bahnhofteam Thun!) Richtung Sargans-Weisstannen. Jucheeee!

Bis bald wieder hier!

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